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STATION 01 · Sehenswürdigkeit

Historisches Rathaus

Ein Rathaus oder ein kleines Schloss?

Helle Rathausfassade in Wittenburg mit doppelläufiger Freitreppe und drei offenen Bögen über dem Eingang.
Rathaus Wittenburg – Ansicht vom Marktplatz. Aufnahme: 15. Mai 2005. CC BY-SA 3.0; Originaldatei unverändert. Bildquelle und Lizenzlink unter „Quellen und weiterführende Informationen“. · Clemensfranz

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Stimme: Google AI · erlaubt
B

Allgemeiner Text

Die Geschichte des Ortes

Rathaus 1

Stimme / Aufnahme: Fola

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Wenn Sie sich unser Rathaus anschauen, lassen Sie den Blick einmal von der großen Freitreppe bis zu den Zinnen wandern. Vier Ecktürme, Bögen und die auffällige Treppenanlage geben dem Gebäude etwas ausgesprochen Burgartiges. Die Architektur orientiert sich an der englischen Tudorgotik. Ein kleines Stück England mitten in Mecklenburg – jedenfalls, was den Baustil betrifft.

Das Rathaus gehört zum Historismus. So nennt man die Architektur des 19. Jahrhunderts, die ältere Baustile wieder aufgriff und für neue Gebäude verwendete. Hier bekamen die Amtsgeschäfte eine besonders eindrucksvolle Kulisse.

Der Anlass für den Neubau war allerdings ein Unglück: Im Februar 1848 brannte das vorherige Rathaus ab. Anschließend entschied sich die Stadt für einen größeren Neubau an einem etwas anderen Standort. Den Platz des früheren Rathauses können wir heute noch erkennen: Das steinerne Podest auf dem Markt, auf dem die beiden Steinsessel stehen, erinnert daran.

Das neue Rathaus wurde 1852 fertiggestellt und am 8. Januar 1853 feierlich eingeweiht. Wenn Sie sich diese Jahreszahlen merken möchten: 1852 war das Haus fertig, 1853 wurde es offiziell eröffnet.

Mit der Gestaltung ist ein bedeutender Name verbunden: Georg Adolph Demmler. Er war einer der maßgeblichen Architekten des Schweriner Schlosses. Wer dieses Schloss kennt, begegnet hier also einem vertrauten Baumeister in einem ganz anderen Maßstab. Auch das Schweriner Schloss entstand übrigens durch das Zusammenwirken mehrerer Architekten; nach Demmlers Ausscheiden führte Friedrich August Stüler die Arbeiten weiter.

Demmler war eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Er arbeitete für den großherzoglichen Hof und vertrat zugleich demokratische Überzeugungen. Nach den Revolutionsjahren 1848 und 1849 geriet er damit zunehmend in Konflikt mit dem Hof. 1851 schied er aus dem Staatsdienst aus – also gerade in jener Zeit, als das Wittenburger Rathaus entstand. Hinter dieser verspielten Architektur steht damit auch ein Mann mit einem ausgeprägten politischen Willen.

Das Rathaus hatte außerdem eine ganz praktische Seite: Im Sockelgeschoss befand sich ursprünglich das Feuerwehrdepot. Zum repräsentativen Gebäude gehörte also auch die Ausrüstung für den Ernstfall.

Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt das Haus auch einer umfassenden Sanierung in den 1990er-Jahren. Das beteiligte Architekturbüro nennt dafür den Zeitraum 1996 bis 1999. Dabei ging es um Instandsetzung, Umbau und Restaurierung des historischen Gebäudes.

Heute gehören Stadtbibliothek, Standesamt, Ratssaal und Fraktionsräume zu den Nutzungen des Rathauses. Hier wird also gelesen, geheiratet und über Angelegenheiten der Stadt beraten. Besonders für Hochzeitspaare bietet die Freitreppe eine schöne Kulisse. Wer hier heiratet, nimmt ein Stück Wittenburger Baugeschichte mit ins Familienalbum.
Weitere Fassung: Rathaus allgemein

Rathaus allgemein

Stimme / Aufnahme: Fola

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Wenn Sie sich unser Rathaus anschauen, lassen Sie den Blick einmal von der großen Freitreppe bis zu den Zinnen wandern. Vier Ecktürme, Bögen und die auffällige Treppenanlage geben dem Gebäude etwas ausgesprochen Burgartiges. Die Architektur orientiert sich an der englischen Tudorgotik. Ein kleines Stück England mitten in Mecklenburg – jedenfalls, was den Baustil betrifft.

Das Rathaus gehört zum Historismus. So nennt man die Architektur des 19. Jahrhunderts, die ältere Baustile wieder aufgriff und für neue Gebäude verwendete. Hier bekamen die Amtsgeschäfte eine besonders eindrucksvolle Kulisse.

Der Anlass für den Neubau war allerdings ein Unglück: Im Februar 1848 brannte das vorherige Rathaus ab. Anschließend entschied sich die Stadt für einen größeren Neubau an einem etwas anderen Standort. Den Platz des früheren Rathauses können wir heute noch erkennen: Das steinerne Podest auf dem Markt, auf dem die beiden Steinsessel stehen, erinnert daran.

Das neue Rathaus wurde 1852 fertiggestellt und am 8. Januar 1853 feierlich eingeweiht. Wenn Sie sich diese Jahreszahlen merken möchten: 1852 war das Haus fertig, 1853 wurde es offiziell eröffnet.

Mit der Gestaltung ist ein bedeutender Name verbunden: Georg Adolph Demmler. Er war einer der maßgeblichen Architekten des Schweriner Schlosses. Wer dieses Schloss kennt, begegnet hier also einem vertrauten Baumeister in einem ganz anderen Maßstab. Auch das Schweriner Schloss entstand übrigens durch das Zusammenwirken mehrerer Architekten; nach Demmlers Ausscheiden führte Friedrich August Stüler die Arbeiten weiter.

Demmler war eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Er arbeitete für den großherzoglichen Hof und vertrat zugleich demokratische Überzeugungen. Nach den Revolutionsjahren 1848 und 1849 geriet er damit zunehmend in Konflikt mit dem Hof. 1851 schied er aus dem Staatsdienst aus – also gerade in jener Zeit, als das Wittenburger Rathaus entstand. Hinter dieser verspielten Architektur steht damit auch ein Mann mit einem ausgeprägten politischen Willen.

Das Rathaus hatte außerdem eine ganz praktische Seite: Im Sockelgeschoss befand sich ursprünglich das Feuerwehrdepot. Zum repräsentativen Gebäude gehörte also auch die Ausrüstung für den Ernstfall.

Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt das Haus auch einer umfassenden Sanierung in den 1990er-Jahren. Das beteiligte Architekturbüro nennt dafür den Zeitraum 1996 bis 1999. Dabei ging es um Instandsetzung, Umbau und Restaurierung des historischen Gebäudes.

Heute gehören Stadtbibliothek, Standesamt, Ratssaal und Fraktionsräume zu den Nutzungen des Rathauses. Hier wird also gelesen, geheiratet und über Angelegenheiten der Stadt beraten. Besonders für Hochzeitspaare bietet die Freitreppe eine schöne Kulisse. Wer hier heiratet, nimmt ein Stück Wittenburger Baugeschichte mit ins Familienalbum.
C

Epoche DDR

Ein Blick auf die DDR-Zeit

Rathaus DDR

Stimme / Aufnahme: Fola

D

FunFakt

Ein überraschendes Detail

Rathaus FunFakt

Stimme / Aufnahme: Fola

ZUM LESEN & ENTDECKEN

Ein Blick in die Geschichte.

Willkommen an der ersten Station unseres Stadtrundganges. Hier sehen Sie das historische Rathaus von Wittenburg.

Ein Rathaus oder ein kleines Schloss? Lassen Sie die Fassade einen Moment auf sich wirken. Die beiden Treppenläufe, der offene Bogengang und die turmartigen Aufbauten verleihen dem Gebäude einen ungewöhnlich festlichen Auftritt. Achten Sie darauf, wie die Treppen den Blick zur Mitte des Hauses führen.

Das Rathaus wurde im Jahr 1852 nach Plänen von Georg Adolf Demmler errichtet. Am achten Januar 1853 fand die feierliche Einweihung statt. Hinter diesem Namen steht ein Architekt, der nicht nur in Wittenburg Spuren hinterlassen hat.

Demmler lebte von 1804 bis 1886. Er studierte in Berlin und wurde später Hofbaumeister in Schwerin. Besonders bekannt ist er für seine maßgebliche Beteiligung am Umbau des Schweriner Schlosses. Dabei arbeitete er mit anderen Architekten zusammen. Auch der Marstall und das Arsenal am Schweriner Pfaffenteich gehören zu seinen Werken. Unser Rathaus verbindet Wittenburg also mit einem Baumeister, der das Gesicht der mecklenburgischen Residenzstadt entscheidend mitgestaltete.

Interessant ist aber auch der Mensch hinter den Entwürfen. Demmler setzte sich für bessere Löhne, den Schutz von Lehrlingen und die Absicherung von Bauarbeitern bei Krankheit und Unfällen ein. In einer Sonntagsschule unterrichtete er Handwerkslehrlinge unentgeltlich. Er beschäftigte sich also nicht nur mit der Wirkung schöner Fassaden, sondern auch mit den Lebensbedingungen der Menschen, die solche Gebäude errichteten.

Schauen Sie nun noch einmal auf das Rathaus. Sein Entwurf greift Formen der englischen Tudorgotik auf. Er gehört zum Historismus: einer Architektur, die ältere Baustile neu aufnahm und miteinander ins Gespräch brachte. Das Haus ist somit kein mittelalterliches Schloss, auch wenn es auf den ersten Blick daran erinnern mag.

Bis heute ist das Rathaus ein Ort besonderer persönlicher Ereignisse. Hier werden standesamtliche Trauungen gefeiert. Die Freitreppe bildet dafür eine ebenso markante Kulisse wie für Ihren eigenen Erinnerungsblick auf Wittenburg.

Nehmen Sie sich ruhig noch einen Augenblick. Welches Detail würden Sie auf einem Foto festhalten: die Treppe, die Bögen oder die gesamte Fassade?
Quellen & Bildnachweise

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